Die SCFR hat sich nun auch zu den Vorfällen vom letzten Samstag geäußert. Hier der veröffentlichte Text:
Diskriminierende Sprechchöre, Gewalt beim Fußball, Pyrotechnik. Bei diesen Dingen wird in Freiburg von allen Fans, die formell oder informell organisiert sind, erwartet, dass sie sich davon distanzieren. Der Supporters Crew wurde nicht nur ein Mal vorgeworfen, dass sie sich von gewissen Dingen nicht distanziere, Unverständnis und Vorwürfe der Duldung solcher Dinge machte sich daraufhin in der restlichen Fanszene und bei den Verantwortlichen des SC Freiburg breit. „Man müsse sich doch distanzieren“ heißt es immer wieder. Also warum hat die SCFR das des Öfteren abgelehnt, sich stattdessen nicht geäußert oder mit Fragen und Forderungen geantwortet?
Weil die SCFR mit ihren gut 200 Mitgliedern gut 200 verschiedene Meinungen vertritt und es uns als Vorstandschaft unmöglich erscheint diese Meinungen auf einen Standpunkt zu reduzieren. An dieser Stelle werden in der Regel die Rufe laut, dass man sich doch an einen gewissen Fankodex halten müsse, dass es unabdingbar sei Fehlverhalten und Straftaten im Rahmen von Fußballveranstaltungen aufs Schärfste zu verurteilen. Und wenn man dies nicht in der Öffentlichkeit tue, sei man automatisch für dieses Fehlverhalten. Doch diese Argumentationskette greift zu kurz. Die Supporters Crew hat bisher darauf gesetzt sich öffentlich mit Degradierungen zurückzuhalten und lieber im internen Bereich versucht Einfluss zu nehmen und wird dies auch in Zukunft tun. Wir sehen darin den richtigen Weg, auch wenn dieser von außen nicht sichtbar und als wenig effektiv erscheinen mag. Denn es wird sich kein Mitglied der Supporters Crew (und auch keines anderer Fanorganisationen) ändern, weil die Vorstandschaft der Öffentlichkeit sagt, dass sie ein gewisses Verhalten nicht toleriere. Dieser komplexe Prozess ist um einiges zeitintensiver als einfach eine Stellungnahme zu schreiben, in der man sich einfach von Vorkommnissen distanziert. Wir sind der Meinung, dass ein faktischer und sozialer Ausschluss von Menschen, die sich nicht richtig verhalten haben, nicht die Wirkung erzielt, dass sie sich zukünftig konform verhalten, sondern dass eher das Gegenteil passiert. Dass dadurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich die Personen radikalisieren und sich in kleinen Gruppen zusammenschließen, in denen keine „soziale Kontrolle“ mehr stattfindet. Und an diesem Punkt wird es wirklich bedenklich. Denn wenn die Personen unter sich agieren und sich jeglichen Interventionen von außen entziehen, wird das Fehlverhalten zunehmen.
Natürlich leidet der Ruf der Supporters Crew in der Öffentlichkeit unter dieser Vorgehensweise. Doch wir nehmen dies bewusst in Kauf. Wir wollen nicht so werden wie andere Organisationen in Freiburg, die ihre Scheinwelt aufrecht erhalten, indem sie die Problemfälle ausschließen und so auch die Augen vor der Realität verschließen. Nur weil jemand nicht mehr Teil der Organisation ist, heißt dies nicht, dass er nicht weiter zum Fußball gehen wird und sich dort weiterhin so verhalten wird.
Der Supporters Crew wird öfter vorgeworfen, dass sie keine Verantwortung für das Handeln ihrer Mitglieder übernehme. Falsch. Wir stellen uns der Verantwortung, nutzen dafür jedoch nicht die öffentliche Bühne.
Ob man längerfristig damit scheitern wird ist genauso wahrscheinlich wie ein Erfolg, aber lieber scheitern wir auf diesem Wege, als weiter tatenlos zuzuschauen und die Realität aus dem Blick zu verlieren: Auch in Freiburg gibt es viele Fans, (die nicht nur Ultras sind) die sich daneben benehmen, die das ein oder andere Mal einen über den Durst trinken, gelegentlich oder auch regelmäßig Dummheiten begehen. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Die Verantwortung etwas auf kompetenter Basis dagegen zu tun liegt hierbei unserer Meinung nach beim Verein. Zu dieser Verantwortung gehört es auch zu erkennen, dass die Supporters Crew, aus verschiedenen Gründen, all diese Probleme nicht lösen kann und wird. Deswegen fordern wir seit mittlerweile einigen Jahren ein professionelles Team in Form eines Fanprojekts für die Freiburger Fanszene. Denn auch dieses verfolgt den Ansatz, dass durch Ausschluss der betreffenden Personen keine positiven Veränderungen herbeizuführen sind. Ihnen steht aber im Gegensatz zur Supportes Crew ein weit größeres Zeitkontingent und jede Menge Fachkompetenz zur Verfügung, da sie hauptamtlich und nicht ehrenamtlich arbeiten.
Wir haben erkannt, dass unsere Möglichkeiten begrenzt sind, versuchen aber mit unseren Mitteln Fehlverhalten entgegenzuwirken. Und unser Mittel ist es eben nicht uns einfach zu distanzieren, sondern zu versuchen ehrliche und langfristige positive Veränderungen herbei zuführen. Es ist kein Weg, der uns Prestige bringt, doch es ist ein Weg, den wir mit Überzeugung gehen können und werden.
(SCFR)