Stellungnahme zum Choreoverbot beim Derby

Zum Baden-Württemberg-Derby zwischen dem SC Freiburg und dem VFB Stuttgart am vergangenen Sonntag plante die NBU, in Zusammenarbeit mit der Supporters Crew Freiburg eine Choreographie auf der Nordtribüne.

Diese beinhaltete unter anderem ein Spruchband mit folgender Aufforderung an die Mannschaft: „Siegt mit Herz und Verstand für unser heiligs Badnerland!“, welches am Zaun vor der Nordtribüne zum Einlaufen der Mannschaften heruntergelassen werden sollte. Die Choreographie, mit oben genanntem Spruchband, wurde bereits Wochen zuvor ordnungsgemäß beim Sport Club Freiburg angemeldet und genehmigt. Zusätzlich wurde die Choreographie, inkl. Spruchband und Schriftbild, einige Tage vor dem Spiel nochmals durch Angestellte des Sport Club Freiburg begutachtet und abgesegnet.

Am Spieltag wurden bereits am frühen Morgen die letzten Vorbereitungen für die Choreographie getroffen und das besagte Spruchband am Zaun befestigt. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und die Helfer das Stadion, wie abgesprochen, wieder verließen, erreichte diese drei Stunden vor Anpfiff des Spiels plötzlich ein Anruf des Fankoordinators,“ es gäbe Probleme mit dem Spruchband„. Nachdem einige der Organisatoren daraufhin zurück ins Stadion gingen, wurden diese dort bereits von Fankoordinator, Fanbeauftragten und einigen Angestellten des Sport Club Freiburg erwartet. Diese teilten uns mit, dass die geplante Choreographie, mit oben genanntem Spruchband, nicht durchgeführt werden darf.

Die lächerliche Begründung hierfür war, dass die Worte „siegt“ und „heiligs“ auf das heilige Römische Reich anspielen könnten und zudem die Schriftart manche an die Nazizeit erinnern könnte. Außerdem wurde von einem Vereinsangestellten erklärt, dass durch das Spruchband ein badischer Patriotismus geäußert würde, welcher von Vereinsseite nicht gewünscht wäre und zudem nicht angebracht sei, da die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Ministerpräsident Kretschmann das Spiel besuchen würde und von dieser eventuell falsch aufgefasst werden könne, man diese allerdings nicht verärgern möchte, da man doch ein neues Stadion bauen will und dafür die Unterstützung aus der Politik benötige. Die Anmerkung, dass unsere ganze Region mit einem gesunden badischen Patriotismus lebt und dieser vom SC Freiburg auch gerne zur Marketing- und Merchandisingzwecken ausgeschlachtet wird, könnten wir uns eigentlich schenken, aber wir wollen es der Vollständigkeit wegen doch erwähnen.

Die Erklärungen der Organisatoren, dass man mit der Schriftart lediglich die Schrift der Flagge des Großherzogtums Baden originalgetreu abbilden wollte und der Spruch lediglich als Aufforderung an und Motivation für die Mannschaft gewählt wurde, wurden von Vereinsseite nicht akzeptiert. Dass es sich bei der Schriftart zudem nur um eine simple, verschnörkelte Schrift handelte, welche in jedem Text-Programm zu finden ist (und die in fast identischer Weise schon bei diversen Choreographien, ohne Probleme verwendet wurde), wollten die verantwortlichen Entscheidungsträger scheinbar nicht wahrhaben. Die Entscheidung war bereits gefallen und das Spruchband musste wieder vom Zaun entfernt werden.

Des Weiteren muss zur Schriftart angemerkt werden, dass diese dem Verein vorab schon bekannt war und die gleiche oder ähnliche Schrift auch von vielen großen Tageszeitungen genutzt wird. Bringt bei BZ, FAZ und Co. jemand eine Verbindung zum Patriotismus oder gar zu (rechts-) nationalem Gedankengut?

Da die Durchführung der Choreographie ohne das besagte Spruchband keinen Sinn mehr gemacht hätte, musste diese kurzerhand und schweren Herzens abgesagt werden.

Hunderte von Arbeitsstunden vieler verschiedener SC-Fans, nicht nur der Ultras, und ein beträchtlicher vierstelliger Geldbetrag wurden somit innerhalb von wenigen Minuten durch eine Kurzschlussreaktion der Vereinsführung/-verwaltung zunichte gemacht.

Für die zahlreichen Helfer bei der Erstellung dieser Choreographie war diese Entscheidung ein harter Schlag ins Gesicht.

Nachdem in den vergangenen Wochen zahlreiche konstruktive Gespräche zwischen SC-Fans und Vereinsführung geführt wurden und man in Zukunft wieder verstärkt auf Dialog setzen wollte, war diese Entscheidung ein sehr großer Rückschlag für alle Beteiligten! Das Vertrauen in die Verantwortlichen wurde einmal mehr enttäuscht.

Im Hinblick auf die angeblich so große Gewaltproblematik, welche es derzeit im Fußball gibt, und medial in den letzten Wochen ein Dauerthema ist, müssen wir uns fragen ob die Vereine mit solchen Entscheidungen nicht einen ganz entscheidenden Anteil daran haben und so Ignoranz und Frust selbst schüren.

Unter diesen Umständen, wird es in Freiburg, zum Bedauern vieler wohl keine Choreographien mehr zu sehen geben.

Antwort des SC Freiburg
Zur kurzfristig abgesagten Nordtribünen-Choreografie möchten wir aus unserer Sicht folgende Dinge darstellen: Den Organisatoren war vor längerer Zeit in Aussicht gestellt worden, dass eine Choreografie zum VfB-Spiel grundsätzlich möglich ist. Noch am Mittwoch vor der Partie am Wochenende lag der genaue Inhalt allerdings nicht vor, der Spruchband-Inhalt konnte lediglich mündlich übermittelt werden. Am Donnerstagnachmittag ging dann eine Skizze (siehe unten) ein, mit der sich unsere Leitung allerdings unmittelbar vor einer englischen Woche mit Heimspielen gegen Stuttgart und Bayern nicht mehr beschäftigen konnte, was wir bedauern. Inhalt und Optik waren nicht seit Wochen bekannt.

Als am Spieltag dann das Spruchband im Stadion zu sehen war, war die Meinung auf der Ebene unserer Abteilungleitungen und der Direktoren einhellig: Jenseits des uns bekannten Inhalts passt es nicht zum Stil des Vereins und der Mehrheit seiner Fans, dass in altdeutscher Schrift „Siegt mit Herz & Verstand für unser heilig Badnerland“ zu lesen ist. Der SC Freiburg hat dies den Organisatoren um die Mittagszeit mitgeteilt und gebeten, auf das Spruchband zu verzichten, aber den Rest der Choreografie über die gesamte Nordtribüne wie geplant zu zeigen.

Mit dieser Variante waren die NBU als Organistion der Choreo nicht einverstanden und sagten daraufhin alles ab. In unserer Argumentation ging es weniger um den angekündigten Besuch des Ministerpräsidenten oder andere Vertreter der Landesregierung, sondern um die Art, wie die Inhalte für sämtliche 24.000 Zuschauer transportiert werden. Gleich, ob dabei eine mögliche Assoziation zur Nazizeit oder vermeintlich überzogener Regionalpatriotismus gedeutet werden konnten – der SC Freiburg versteht sich als Verein, der ein modernes und zeitgemäßes Miteinander pflegt und sich nicht von rustikalen Schriftbildern und Haltungen verkörpert fühlt. Dies war der Hauptgrund für die späte Absage von einem Teil der Choreografie.

Wir bedauern, dass die Fans sich dann zu einer Komplett-Absage entschieden haben und dadurch Arbeitsstunden vergebens waren. Die in der Stellungnahme der Supporters Crew hergestellte Verbindung zwischen der Absage vom Sonntag und der gegenwärtigen Gewaltproblematik im deutschen Fußball können wir jedoch nicht nachvollziehen und wollen weiterhin auf den Dialog setzen.

Veröffentlicht am by daniel Veröffentlicht in Fanszenen News

One Response to Stellungnahme zum Choreoverbot beim Derby

  1. Der Schwabe

    Also als Schwabe muss ich sagen, vom Verhalten geht das nicht Schwäbischer 😉

    Ich denke der Ministerpräsident Hr. Kretschmann hätte sich über eine Choreo gefreut.
    Genau das zeigt wieviel Herzblut und Kreativität Fußball bedeutet und nicht nut Fangewalt, Alkohol und Gegröhle.

    Aber man hat diese Aktion mit FALSCHER Politischer Korrektheit (kann ja nicht anderst sein) torpediert.

    Nun schiebt man einen Angeblichen zusammenhang zur Nazizeit vor.
    Worum es geht ist klar…
    „da man doch ein neues Stadion bauen will und dafür die Unterstützung aus der Politik benötige“

    Dann soll man ein seelenloses stadion ganz ohne Fans bauen. Dann stört sie niemand an Spruchbändern.

    gruss

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