Es ist einiges los…

Es ist ja im Moment einiges los im beschaulichen Freiburg. Nachdem Rosenthals Abgang zur Eintracht schon feststeht, scheint Kruses Wechsel nach Gladbach nur noch eine Formsache zu sein. Auch an Caligiuris Verbleib glaubt kaum noch jemand. Wenn man die Prozentzahlen, mit denen auf transfermarkt.de die Wahrscheinlichkeiten der jeweiligen Wechselgerüchte zu seiner Person beziffert werden, addiert, kommt man auf logisch unmögliche 122 Prozent Wechselwahrscheinlichkeit.

Kruse und Caligiuri haben leider Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen beim Sportclub, daher liegt die Entscheidung bei den Spielern, ob sie auf eines der definitiv vorhandenen Angebote aus der Bundesliga eingehen werden. Die Existenz dieser Klauseln ist aus Fan-Sicht extrem ärgerlich, dürfte aber eine notwendige Bedingung dafür gewesen sein, dass die Spieler überhaupt beim SCF unterschrieben (Kruse), bzw. ihren Vertrag verlängert haben (Caligiuri). Ein möglicher Kompromiss in solchen Fällen könnte vielleicht der Einbezug von Ausstiegsklauseln sein, die erst nach bspw. Zwei Spielzeiten ihre Gültigkeit erhalten (Bild 3) oder die Formulierung eines gestaffelten Vertrags mit einer festgeschriebenen Ablösesumme, die im Laufe der Zeit sinkt (Bild 4) als Alternativen zu Verträgen ohne (Bild 1) und mit einer dauerhaft gültigen festen Ablösesumme (Bild 2).

ablöse

Das Problem ist in meinen Augen aber nicht mal das, dass uns die besten Spieler weggekauft werden, denn das ist nun mal der Lauf der Dinge in Freiburg. Das Problem ist die Unruhe, die jetzt entsteht, zu einer Zeit, in der es in der Liga und im Pokal um vieles geht. Vielleicht würde es Sinn machen, sämtliche Verkaufsverhandlungen außerhalb der Transferperioden zu verbieten, damit sich die Spieler während der Saison ausschließlich auf das Sportliche konzentrieren können. Wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass niemand die Spieler dazu zwingt, sich bereits vor der Sommerpause mit möglichen Transfers zu beschäftigen. Außerdem gibt es dem Sportclub natürlich auch frühzeitig Planungssicherheit, wenn Wechsel schon vor Ende der Saison feststehen. Auf jeden Fall ist es in der jetzigen Situation schwer für die Spieler, den Kopf frei zu kriegen und es ist mit Pfiffen von einigen Fans zu rechnen, die sich von den Spielern Dankbarkeit erwarten und selbst keine zeigen. Wenn Kruse nach Gladbach geht, dann hat er dem SCF einen Bruttogewinn von zwei Millionen Euro beschert und einen großen Anteil an der vielleicht zweit- oder drittbesten Saison des Sportclubs überhaupt gehabt, meiner Meinung nach sollten wir uns nicht allzu sehr darüber ärgern, dass er gehen wird, sondern darüber freuen, dass er da war.

Der sich in dieser Saison abzeichnende Ausverkauf scheint aber wirklich alles bisher Dagewesene zu übersteigen, sowohl in Bezug auf die Anzahl der Transfers von Leistungsträgern, als auch hinsichtlich der nicht zuletzt durch die Medien forcierten Unruhe im Umfeld des SCF. Ich kann Christian Streich daher sehr gut verstehen, wenn er davon spricht, dass die Spieler des Sportclubs „wie auf dem Viehmarkt“ angeboten würden. Wenn aus dieser Aussage von medialer Seite der Trugschluss gezogen wird, Streich sei zu naiv für das harte Fußballbusiness (Bild.de: „Fußball-Romantiker Streich versteht das Geschäft nicht richtig“), möchte ich an dieser Stelle entgegnen: Streich versteht das Geschäft sehr wohl. Er nimmt sich lediglich die Freiheit, eine Meinung zu den Mechanismen der Branche zu haben, die die meisten anderen Akteure des Fußballgeschäfts von einer werturteilsfreien Warte aus als gegeben annehmen.

„Sobald die Dinge nicht mehr laufen, wenn Christian Streich und der SC Freiburg also einmal ein Tal durchschreiten müssen, wie Streich es auch fortwährend im Sinne des Realismus ankündigt, wird alles, was ihn jetzt auszeichnet, gegen ihn verwendet werden. Er ist dann zu anders, zu komisch, fährt zu viel Fahrrad. Seht her, schreien sie dann: Klappt wohl doch nicht alles so, wie der Freak sich das gedacht hat.“ – Søren Feyerabend, kabinentraktate.wordpress.com, 6.3.2013

Was für ein prophetisches Zitat. Was auf Streich noch zukommen könnte, zeigt in meinen Augen ein Stück weit auch der Shitstorm, der in den letzten Tagen auf Schauspielerin Katja Riemann einprasselte, die sich im NDR nicht dafür hergeben wollte, die Fragen eines aalglatten Moderators mit glattgeschliffenen Standardfloskeln zu beantworten. In den Medien wurde Christian Streich für ein solches Verhalten bisher gefeiert. Wird sich diese Bewunderung bald ins Gegenteil verkehren?

Jonathan studiert und wohnt momentan in Mainz und schreibt unter anderem für den Infoflyer “Fanblock aktuell” der Supporters Crew Freiburg e.V.

Veröffentlicht am by daniel Veröffentlicht in Allgemein

One Response to Es ist einiges los…

  1. Daniel

    Das ist mal wieder klar. Kaum hat ein kleiner Verein, wie der SCF, mal eine gute Saison gespielt, schon verziehen sich alle guten Spieler.

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